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Psychiatrie von Fall zu Fall
Diagnose
Pavor nocturnus
Epidemiologie und Ätiopathogenese
Der Pavor nocturnus betrifft ca. 2-3% der Kinder und kommt familiär gehäuft vor, öfter bei Jungen als bei Mädchen. Die Störung ist mit dem Schlafwandeln verwandt (sog. Parasomnien), oft treten auch beide zugleich auf. Polysomnographische Studien haben gezeigt, dass der Pavor nocturnus im Tief-, d.h. Non-REM-Schlaf (Stadien 3 und 4) vorkommt, was ihn von Alpträumen unterscheidet. Die Ähnlichkeit der Symptome mit der Temporallappen-Epilepsie lässt bei der Suche nach einer Ursache auch an eine "minimale neurologische Abnormalität" denken (was jedoch bisher nicht bewiesen ist).
Diagnose und Therapie
Die Symptome beginnen meist bei Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Die kleinen Patienten erwachen plötzlich mit einem panikartigen Initialschrei aus dem Schlaf. Derartiges Erwachen tritt im Allgemeinen während des ersten Drittels der Nacht auf und dauert normalerweise nicht länger als zehn Minuten. Während der Zeit des Erwachens haben die Patienten ausgeprägte Angst, begleitet von vegetativen Körpersymptomen wie Tachykardie, schneller Atmung oder Schweißausbrüchen. Sie sind zudem für gewöhnlich desorientiert, verwirrt und lassen sich in derartigen Zuständen meist nicht beruhigen. Die Betroffenen erinnern sich nicht an einen Traum, manchmal sehen sie allerdings noch ein einzelnes Angst auslösendes Bild vor sich.
Nach so einer Episode schlafen die kleinen Patienten wieder ein oder beginnen zu schlafwandeln. Es besteht eine Amnesie für das gesamte Ereignis. Wenn die Symptome erst im Teenageralter oder im jungen Erwachsenenalter auftreten (was unüblich ist), sind sie nicht selten erste Anzeichen einer Temporallappen-Epilepsie. Deshalb muss diese als Ursache für das nächtliche Aufschrecken bei Kindern ausgeschlossen werden. Das EEG ist bei der Temporallappen-Epilepsie meist pathologisch verändert, während es beim Pavor nocturnus unauffällig ist. Die Therapie sollte unterstützend sein, da es i.A. zu einer Spontanremission bis zur Adoleszenz kommt (sofern der Beginn der Störung im Kindesalter liegt). Patienten, bei denen die Störung später einsetzt, zeigen häufig einen eher chronischen Verlauf. Psychotherapie kann zur Analyse möglicher Stressoren oder der Familiendynamik sowie zur Erarbeitung entsprechender Lösungsansätze bzw. Coping-Mechanismen hilfreich sein. Diazepam sollte nicht routinemäßig zum Einsatz kommen, kann aber ggf. bei schweren Fällen (mit Vorsicht und in Maßen!) gegeben werden. Es verbessert häufig die Symptome und kann u.U. die "Anfälle" komplett zum Verschwinden bringen.
Gut zu wissen
Äußere Stressoren können die Störung auslösen oder verstärken, in seltenen Fällen kann auch Substanzmissbrauch der Auslöser sein.
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